Einer für andereBekenntnis

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Hinter dem Vorhang

Mein Blick folgt dem schwarzen Boden bis an den Rand der Bühne, auf dessen Parkett ein Meer aus samtbezogenen Stühlen steht. Ich blicke in die Tribüne. Das helle Licht der Scheinwerfer ist genau auf mich gerichtet und blendet mich, doch spüre ich tausende Augenpaare auf mir ruhen. Sehen kann mich jedoch niemand. Ich stehe versteckt auf der Theaterbühne des bayrischen Staatstheaters in München und bin ein unsichtbarer Teil einer Opernaufführung.

Ich bin nicht berühmt. Ich bin nur ein Helfer der Bühnentechnik. Ich helfe das Bühnenbild zu verschieben, Vorhänge im richtigen Augenblick zu senken oder zu heben. Ich baue die Bühne auf und tief in der Nacht wieder ab. Ich bin Teil einer Inszenierung. Ich trage schwarze Kleidung, um im Verborgenen zu bleiben.

Der Ton des Bühnenteams hinter dem großen Vorhang ist rau und laut. Kein Raum für Fehler. Vor dem Vorhang die perfekte Show. Das Schauspiel. Das unvergessliche Spektakel. Eine Inszenierung für den Applaus der Massen.

Mein Leben bietet meinen Mitmenschen ein ähnliches Spektakel. Die perfekte Inszenierung nach außen. Hinter dem Vorhang meiner Performance rennen und ziehen dunkle Gestalten die richtigen Schnüre und betätigen die nötigen Knöpfe, um die Öffentlichkeit nicht zu enttäuschen. Umso aufwendiger die Inszenierung meiner Selbst, desto rauer, unbarmherziger und stärker spüre ich die dunklen Gestalten mich dirigieren.

„Gott gab uns also sowohl seine Zusage als auch seinen Eid, die beide unabänderlich sind, weil Gott nicht lügt. Das ist für uns, die wir bei ihm Zuflucht gesucht haben, eine große Ermutigung, denn wir wollen ja das vor uns liegende Ziel, die Erfüllung der Hoffnung, erreichen. Diese Zuversicht ist wie ein starker und vertrauenswürdiger Anker für unsere Seele. Sie reicht hinter den Vorhang des Himmels bis in das Innerste des Heiligtums Gottes. Dorthin ist Jesus uns bereits vorausgegangen.“ – Hebräerbrief 6,18-20, NL

Jesus Christus hat den Vorhang der Trennung zwischen Wunsch und Wirklichkeit zerrissen. Der Himmel steht offen. Gott ist nahe. Er sieht mein Leben. Sein Licht durchdringt mich. Er sieht die Inszenierung meines Lebens und kennt jeden Winkel hinter dem großen schweren Vorhang. 
Ich traue mich vor ihm den Vorhang zu lüften. Die schwarzen Gestalten müssen die Bühne verlassen. Kein Platz mehr für sie.

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