Themenimpuls

Auf frischer Tat ertappt

»Oh, schaut euch nur die beiden an.🥰 Oh, what???! 👀👀👀 Entweder haben sie eine Affäre oder sie sind sehr schüchtern«, sagte der Sänger Chris Martin von Coldplay bei einem Konzert in Boston. Auf der stadionweiten Kiss-Cam wurde dabei grade ein Paar auf einer riesigen LED-Wall gezeigt, das eng umschlungen auf der Tribüne kuschelte. Sie waren allerdings kein Ehepaar, sondern Arbeitskollegen. Der Chef, Andy und seine Personalchefin Kristin, deren Job es nach dem US-amerikanischen Arbeitsrecht auch ist, Liebesbeziehungen am Arbeitsplatz etwas einzudämmen und nicht laufen zu lassen. Beide sind verheiratet und haben Familie. Ihre erste direkte Reaktion konnten sie nicht aufhalten. Sie zeigte, dass es ihnen so peinlich war. Andy wollte vor Scham am liebsten im Boden versinken. Kristin drehte sich um und verschwand irgendwann aus dem Kamerawinkel. Wenn ihre Reaktion “normal verliebt” gewesen wäre, wäre das niemals bekannt geworden. Aber so starrten im Stadion alle drauf und fühlten sich wahrscheinlich komisch. Millionen Kommentare und letzten Endes dieser Artikel rollten dann im Web noch nach. Fakt ist: Wahrscheinlich wissen jetzt unfassbar viele Menschen von der Untreue von zwei Menschen.

Der Satz von Chris Martin “Oh what?” und die Verwunderung, die in seiner Stimme war, hat mich schon etwas getroffen. Ich fand es ziemlich merkwürdig, mit welcher Haltung sich Menschen dann darauf stürzten. Der Frau von Andy wurde zum Geld gratuliert, das sie jetzt durch die Scheidung bekommen wird. Eine US-Kommentatorin nannte es »Fantastisch, das Land und das Internet wurden zusammengebracht. Etwas das selten passiert.« Durch eine tragische Sünde: Untreue. Comedy, KI-Videos, Reverse-Videos folgten. Menschen genießen es irgendwie, wenn man erwischt wird. Christen sprachen über Gerechtigkeit, die durch den Cam-Operator kommt und dass es so schön ist, wenn Dinge ans Licht kommen. In einem Tonfall, der sagte, dass sie nie etwas zu verbergen haben. Dass sie ihr Fehlverhalten immer mit anderen Menschen besprechen. Dass ihre Sünde immer transparent ans Licht kommt. 🙄

Mein Gedanke war, dass es wahrscheinlich bei so vielen Menschen vorkommt. Wir sündigen. Oft im Geheimen. Manchmal kommt es raus. Ganz selten wissen sehr viele Menschen davon. Aber gibt es uns das Recht mit dem Finger auf andere zu zeigen? Jesus sagt: »Wer ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein« (Johannes 8,7) Wir sollen mit Sanftmut auf Fehler hinweisen und nicht draufhauen (Galater 6,1). Wir sollen den Weg zur Vergebung und Versöhnung zeigen und nicht unsere Schadenfreude. »Aber wenn Andy dann so einen doofen Entschuldigungsbrief schreibt, dann dürfen wir uns doch bisschen über ihn lustig machen, und ihn vielleicht ein wenig verhöhnen, oder?« Nein. Wir können das Verhalten kritisieren, ohne die Menschen zu verhöhnen. Und ohne sensationslustig zu sein. Weil du genauso wie And jeden Tag Gottes Gnade brauchst.

Bild: Screenshot YouTube/InsideEdition

SiggiSiggi

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