Themenimpuls

Christlicher Ragebait

Ich sehe auf Social Media immer mehr Videos, die ziemlich sicher an Christen gerichtet sind, aber auf Ragebait basieren, also eigentlich irgendwie empören sollen. Dabei werden extreme Hooks eingebaut und dann reitet der Inhalt oft auf einer kleinen viralen Empörungswelle. Nebenbei werden meistens dann noch irgendwelche Produkte verkauft. 🙈🤔 Ist im Gesamtpaket ein gutes Rezept für Social Media. Extreme werden gefördert.
Die Inhalte kommen oft mit erhobenem Zeigefinger gegenüber der Gesellschaft rüber. Oder mit einer »Gott lässt sich nicht spotten«-Caption. Oder sie lassen die andere Position irgendwie dumm dastehen. Ich muss dir sagen, dabei fehlt mir sowas wie Gnade. Wir haben zwar ein Evangelium der Gnade. Aber sind keine Botschafter der Gnade. Ganz viel unserer Botschaft kommt auch auf das Wie an. Und für andere kommen wir hier wie religiöse Oberlehrer rüber. Kleinkariert. Ungnädig. Nicht gelassen. Ohne weites Herz. Wo Barmherzigkeit? 🤷

Und es klammern sich dann wieder Christen daran, die eher den Eindruck machen, dass wir nicht Zeugen Gottes sind, sondern sein Anwalt oder Pressesprecher. Solche Reaktionen sagen oft mehr über das Bedürfnis aus, Recht zu behalten und die eigene Gruppe zu bestätigen als über echten Glauben. Das ist menschlich verständlich, aber es ist nicht die Botschaft des Evangeliums.

Jesus sagt uns, dass wir klug wie die Schlangen sein sollen und aufrichtig wie die Tauben (Matthäus 10,16). In den Sprüchen steht, dass wir nicht in einer ähnlichen Weise antworten sollen wie die Narren (Sprüche 26,4). Petrus schreibt in seinem Brief, dass wir mit Sanftmut und Freundlichkeit antworten sollen (1. Petrus 3,15.16).

Selbst wenn andere Menschen über unseren Glauben spotten, können wir immer noch dran denken, dass wir einem verspotteten Messias folgen. Einem Sohn Gottes, der erniedrigt wurde und der schweigend ans Kreuz hängen ließ, und der uns nicht verheißen hat, dass es seinen Nachfolgern deshalb anders gehen wird. Der Satz »Gott lässt sich nicht spotten« aus dem Galaterbrief wird oft zitiert, um sich als Christ irgendwie zu verteidigen. Aber das ist als Warnung an Christen geschrieben, die ihr christliches Leben mit neuen Gesetzen irgendwie aufpushen wollten.

Wenn wir als Christen anfangen, Gott zu verteidigen, produzieren wir oft selbst Ragebait und verfehlen dabei genau die Botschaft, die wir verteidigen wollen. Was wäre deshalb, wenn unsere Reaktion auf Spott das überzeugendste Argument für das Evangelium wäre? Nicht weil wir so tough sind. Sondern weil echte Gelassenheit, echte Liebe und echte Demut in einer empörten Welt vollkommen fremd wirken. Unerklärbar. Faszinierend. Ich glaube das gelingt, wenn wir Identität in Jesus haben und sein Evangelium uns wirklich nicht nur rettet, sondern auch leitet.

SiggiSiggi

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