»So ist das nun mal…«
»Bei uns?«, frage ich meine Kollegin, die völlig außer Atem in meinem Büro erscheint. »Ja, im Unterrichtsraum«, antwortet sie aufgeregt.
Wir laufen los. Als wir ankommen, betet die lebenserfahrene Pastorenfrau bereits für eine der Nähschülerinnen. Die junge Frau hatte im Spiegel ihre verstorbene Großmutter gesehen, welche ihr einen Fluch gegen das Lernen auferlegt hatte.
Amina, eine muslimische Kollegin, blickt kurz von ihrer Arbeit auf. »Ah, sie sind wieder da«, sagt sie beinahe beiläufig – und arbeitet unbeeindruckt weiter.
Für die Menschen auf unserer Insel gehören Hexerei und okkulte Praktiken ganz selbstverständlich zum Leben dazu. Geister werden angerufen, um Segen, Schutz und Heilung zu erhalten – aber auch, um anderen zu schaden oder sich zu rächen. Zauberer können gegen hohe Bezahlung Flüche wenden oder Probleme »lösen«.
Befreiung durch das Gebet von Christen wird häufig gerne angenommen, bleibt jedoch oftmals ohne tiefere Wirkung. Sie wird als eine von vielen spirituellen Möglichkeiten gesehen. Dass Gott eine Freiheit schenken möchte, die über äußere Erleichterung hinausgeht und das ganze Leben verändert, ist für viele schwer nachvollziehbar.
Auch für Amina ist es nicht das erste Mal, dass sie miterlebt, wie im Namen Jesu gebetet wird und wie Menschen daraufhin Erleichterung erfahren und Dämonen weichen. Seit Jahren beobachtet sie uns, hört aufmerksam zu und stellt kluge Fragen. Vor kurzem sagte sie in einem Gespräch, es sei wichtiger, von Herzen zu glauben, als ein Regelwerk einzuhalten – Regeln, die für sie als muslimische Frau ohnehin zum Nachteil seien. In diesen Momenten haben wir Hoffnung, dass sie anfängt zu verstehen, was Gnade bedeutet. Im nächsten Moment wiederum zuckt sie resigniert die Schultern mit den Worten: »Aber so ist das nun mal für uns afrikanische Frauen.«
Als gäbe es keine Hoffnung für sie.
Als gälte das Angebot, wirklich frei zu werden, nicht auch ihnen.
Gott selbst hat Geduld mit den Menschen. Er will nicht, dass jemand verloren geht, sondern dass alle Gelegenheit zur Umkehr haben (vgl. 2. Petrus 3,9). Deshalb sind wir hier. Deshalb teilen wir unser Leben mit Nachbarn, Kollegen und Freunden – manchmal still in Aufgaben vertieft, manchmal im Gespräch, oft im Zuhören und Mitfühlen. Und wir beten für sie.
Bete gerne mit uns dafür. 🤗
Dieser Beitrag wurde von frontiers zur Verfügung gestellt.

