Mission

Leben teilen im Flüchtlingslager

Ich sitze mit meiner arabischen Mama zusammen und trinke einen Chai, während ich ihre Enkelkinder beobachte. Sie lachen, spielen mit den anderen Kindern – und mein Herz fließt über vor Freude.

Als sie vor ein paar Monaten hier ankamen, waren sie krank und völlig verstört. Vielleicht lag es an den Bomben, die zum Alltag in Khartum gehörten – ihrer Heimat, aus der sie fliehen mussten. Oder an den traumatischen Erlebnissen und Ängsten, die sie auf der Flucht durchlebt haben. Wir wissen es nicht genau. Aber jedes Mal, wenn ein Flugzeug am Himmel zu hören war, rannten sie ins Haus und kauerten sich zitternd in eine Ecke. Ich kann nur erahnen, was ihre jungen Augen bereits gesehen haben.

Ich durfte für sie beten. Immer wieder. Ich habe gebetet, dass Gott ihre Herzen heilt. Dass er ihre geschwächten Körper stärkt und ihnen seine Liebe zeigt.

Und heute sehe ich sie lachen. Sie rennen mit den Nachbarskindern über den Hof, voller Leben. Und ich bete weiter – dass sie Jesus kennenlernen. Ganz persönlich.

Gemeinsam mit meinem Team lebe ich mitten in einem Flüchtlingslager im Südsudan. Leben teilen – das bedeutet für mich, den Tag um fünf Uhr morgens mit einem Chai zu beginnen. Zusammen mit meiner arabischen Mama, die mich liebevoll in ihre Familie aufgenommen hat, sitze ich unter meinem Strohdach. Unsere Lehmhütten stehen so dicht beieinander, dass wir alles voneinander mitbekommen.

Abends beenden wir den oft anstrengenden Tag wieder gemeinsam mit ihrer Familie. Ihre Tochter Hiba ist mit ihren Kindern aus Khartum geflohen und inzwischen meine enge Freundin geworden. Ich muss oft schmunzeln, wie ähnlich wir uns sind, trotz der Unterschiede in Hautfarbe, Herkunft und Lebensweg. Wir lachen über dieselben Dinge und weinen gemeinsam, wenn sie von ihrer Vergangenheit erzählt. Ihr Name bedeutet Liebe. Und ich wünsche mir, dass sie und ihre Kinder genau das erfahren: Heilung – durch die Liebe unseres himmlischen Vaters.

Mit unserem Team setzen wir praktische Hilfsprojekte im Lager um. Wir betreiben ein medizinisches Zentrum, haben eine Schule aufgebaut, unterstützen eine kleine Gemeinde und bieten ein Kinderprogramm an.

Aber manchmal habe ich den Eindruck, dass das größte Zeugnis nicht in den Programmen liegt, sondern in unserem Alltag. In der Art, wie wir unser Leben teilen, wie wir einander nah sind in Freude und in Trauer.

Dieser Beitrag wurde von frontiers zur Verfügung gestellt.

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